nie mehr nice girl - sanft
nie mehr nice girl - zornig
Warum ich mich nicht mehr als Opfer fühle:
Es gab eine Zeit in meinem Leben, in der ich dachte:
Wenn ich nur brav genug bin, lieb genug, verfügbar genug – dann werde ich irgendwann belohnt.
Ich war dieses „Nice Girl“.
So selbstwertschwach, dass ich einem Fotografen glaubte, ich könnte ein Superstar werden – und in sexuellen Missbrauch geriet.
Ich war Projektionsfläche in Beziehungen, Geliebte statt Partnerin, Retterin statt Königin.
Nach klassischer Logik könnte ich mich heute als Opfer sehen.
Und ja: Es gab reale Täter. Reale Grenzverletzungen.
Das benenne ich klar, ohne Relativierung.
Aber auf der systemischen Ebene – mit Blick auf Täter–Opfer-Dynamiken – habe ich etwas anderes entdeckt:
Täter werden oft zu Tätern, weil sie sich selbst als Opfer erlebt haben.
- In vielen Familiensystemen tragen einige die Opferenergie, andere die Täterenergie, wieder andere versuchen, alle zu retten.
- Nachfahren übernehmen unbewusst Rollen: „Ich leide für euch“, „Ich handle wie ihr“, „Ich rette euch.“
Ich habe mich lange im Opferfeld bewegt:
„Mir wurde das angetan, ich wurde benutzt, ich war die Dumme.“
Gleichzeitig musste ich mir ehrlich eingestehen:
Auch ich hatte Anteile von Macht und Manipulation.
Die 19‑jährige in mir hat sich vom Versprechen auf Ruhm anziehen lassen, hat selbst gespielt, geflirtet, verführt –
nicht weil sie Täterin sein wollte, sondern weil sie hungrig war nach Gesehenwerden, sehnsüchtig nach materiellem Erfolg.
Heute bedeutet Verantwortung für mich: nicht „Schuld auf mich laden“, sondern meine Rolle im Spiel erkennen – und aussteigen.
- Ich bin nicht länger nur Opfer.
- Ich bin auch nicht Täterin.
- Ich bin die, die beides sehen kann –
- und entscheidet, kein Drehbuch mehr zu füttern.
Im Tanz mit meinen jüngeren Anteilen hat sich das körperlich gezeigt:
Die 1‑jährige, die aus Not den Zugang zu Bedürfnissen blockiert hat.
Die 3‑jährige, die früh zur inneren Kontrolleurin wurde.
Die 19‑jährige, die im Missbrauch gleichzeitig ohnmächtig und mächtig war.
Mein Lösungssatz aus dieser Erfahrung:
„Ich muss nirgends mehr hin, um mein Zuhause zu finden. Es ist immer da.“
- Ich habe verstanden:
- Ich bin meine Homebase.
- Ich bin der Raum, in dem die 1-Jährige, die 3-Jährige und die 19-Jährige sich jetzt entspannen dürfen und von mir versorgt werden.
- Kein Erlöser im Außen, kein Ruhm, keine Bühne - nur Ich.
Deshalb schreibe ich heute Lieder für all die Frauen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Nicht, um im Schmerz stehenzubleiben, sondern um diesen Satz in den Körper zu bringen:
„Nie wieder Nice Girl, das aushält und hofft. Ich verkörpere die Erfahrung - mit Würde und mit erhobenem Haupt.
Ich fühle mich nicht mehr als Opfer.
Ich fühle mich als Schöpferin eines neuen Drehbuchs – für mich und für die, die mit mir gehen wollen.

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