Über Nervensystem, Bewegung und schöpferische Prozesse
In den letzten Jahren habe ich etwas über mich gelernt, das gleichzeitig sehr einfach und sehr tief ist.
Viele meiner Reaktionen entstehen nicht aus bewussten Entscheidungen.
Sie entstehen aus meinem Nervensystem.
Aus alten Empfindungen.
Alte Empfindungen
Manchmal taucht plötzlich etwas im Körper auf.
Ein Druck im Brustraum.
Ein schneller Atem.
Eine innere Unruhe.
Der Körper reagiert, bevor der Kopf versteht, was eigentlich passiert.
Unser Nervensystem kennt dafür nur wenige Möglichkeiten.
Vier sehr alte Strategien:
laufen
angreifen
erstarren
unterwerfen
Diese Muster sind uralt.
Sie sichern das Überleben.
Und sie werden oft aktiviert, lange bevor wir bewusst denken können.
Alte Geschichten
Während der Körper reagiert, beginnt der Kopf zu arbeiten.
Er versucht, die Gefahr einzuordnen.
Warum passiert das?
Wer ist schuld?
Was bedeutet das?
Und oft geschieht das auf der Grundlage alter Geschichten.
Die Empfindung im Körper erinnert uns an eine alte Gefahr.
Die Geschichte im Kopf hält das Überlebensmuster aufrecht – und das Muster übernimmt.
Und oft ist die Erinnerung, die hier auftaucht, die eines kleinen Kindes.
Die Geschichte ebenfalls.
Und auch das Reaktionsmuster.
Vor kurzem habe ich bemerkt, dass ich selbst diejenige bin, die sich diese alten Geschichten immer wieder erzählt.
Seit ich das sehen kann, habe ich ein wenig mehr Freiheit.
Mein eigenes Muster
Wenn ich ehrlich bin, kann ich bei mir ein bestimmtes Grundmuster gut beobachten.
Ich beginne innerlich zu erstarren.
Nicht unbedingt sichtbar im Körper.
Sondern in meinen Gedanken.
Ich halte aus.
Ich warte, bis die Situation vorbei ist.
Der Kopf beginnt sich zurückzuziehen.
Und irgendwann merke ich:
Ah.
Da ist es wieder.
Der erste Schritt: bemerken
Früher habe ich versucht, solche Reaktionen sofort zu verändern.
Heute mache ich oft etwas anderes.
Ich bemerke sie.
Manchmal sogar mit einem kleinen Lächeln.
Ah.
Es passiert schon wieder.
Nicht als Vorwurf.
Eher wie ein neugieriger Blick auf einen alten Reflex.
Allein dieses Bemerken verändert etwas.
Denn in diesem Moment entsteht ein kleiner Raum.
Zwischen dem Trigger
und meiner Reaktion.
Der Raum der Seele
Und genau in diesem Raum beginnt für mich etwas anderes.
Ich nenne es manchmal Seele.
Nicht im religiösen Sinn.
Eher als eine tiefere Orientierung.
Der Körper spricht über Überleben.
Die Geschichten sprechen über Bedeutung.
Doch darunter gibt es eine ruhigere Strömung.
Etwas, das nicht sofort reagieren muss.
Etwas, das beobachten kann.
Die Spiralbewegung
Veränderung geschieht für mich selten in gerader Linie.
Sie fühlt sich eher an wie eine Spiralbewegung.
Man begegnet denselben Themen wieder.
Denselben Empfindungen.
Denselben Geschichten.
Aber auf einer anderen Ebene.
Mit etwas mehr Bewusstsein.
Mit etwas mehr Raum.
Es ist fast wie eine Spiralgalaxie.
Die Bewegung kehrt zurück –
aber sie ist nicht mehr dieselbe.
Schöpfung
Manchmal entsteht aus diesem Raum etwas Neues.
Nicht weil ich es erzwinge.
Sondern weil plötzlich Klarheit entsteht.
Gedanken ordnen sich.
Empfindungen bewegen sich.
Und irgendwann spüre ich:
Jetzt.
Jetzt will etwas Form annehmen.
Ein Lied.
Ein Gedanke.
Ein Gespräch.
Lange dachte ich, ich müsste Schöpfung antreiben.
Heute erlebe ich es oft anders.
Schöpfung bewegt sich durch uns.
So wie ein Fluss fließt.
Vielleicht beginnt Veränderung genau dort.
Wenn wir erkennen, dass eine alte Empfindung wieder auftaucht
und eine alte Geschichte sich wieder erzählt.
Und wenn wir trotzdem einen Moment innehalten.
Dann entsteht ein kleiner Raum.
Und in diesem Raum beginnt die Bewegung der Spiralgalaxie:
Wir kehren zu denselben Themen zurück –
aber wir sind nicht mehr dieselben.

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